Vernetzte Unternehmen: Von Human Ressources zu Human Relations

Zeiten des Umbruchs: Neben der strategischen Erneuerung geschäftlicher Ökosysteme und der Digitalisierung des Kundenerlebnis, stehen Unternehmen heute vor der Herausforderung ihre Organisationsstruktur den sozialen und technologischen Trends anzugleichen. Dem HR kommt dabei eine zentrale Führungsrolle zu, die operative Umsetzung der digitalen Transformation zu gewährleisten.

Das “vernetzte Unternehmen” verspricht dabei demokratischer, gesünder, souveräner und vielfältiger zu werden. Mit signifikanten Auswirkungen auf die Unternehmenskultur und das Rollenverständnis des Managements (Grafik von Sameer Patels Pretzel Logic Blog).

Die Zeitschrift für OrganisationsEntwicklung mit der Ausgabe “Wie werden wir morgen organisieren?“, die Konferenz der TU München “Das demokratische Unternehmen – Aufbruch in eine Harmonisierung der Arbeitswelt” und der St. Galler Leadership Tag “Digitalisierung der Arbeitswelt mit neuen Arbeits- und Organisationsmodellen” gaben einen Einblick in die neuen Arbeitsformen.

2014: Zustand der vernetzten Schweiz

Den Evolutionsschritt hin zum vernetzten Unternehmen (Phase 5) haben gemäss Studie der Fachhochschule Nordwestschweiz 3 % der Schweizer Dienstleistungsunternehmen erreicht. Mit 35 % befinden sich Mehrheit der Dienstleistungsunternehmen  im Jahr 2014 im Zustand des Umbruchs und Ablösung (Phase 3), wo mit verschiedenen Arbeitsformen experimentiert wird. 16 % sind dabei die mobile flexible Arbeit (Phase 4) zu etablieren. Bei einem Viertel der Schweizer Organisationen stellt die flexible Arbeit heute noch die Ausnahme dar. Im Vergleich zu Grossunternehmen und KMU ergeben sich unterschiedliche Bilder (Siehe Grafik):

vernetzte Unternehmen

Oft wird dabei eine flexible Arbeitsform mit der Nutzung digitaler Kommunikationsmittel gleichgesetzt, die Home Office ermöglichen oder mit kollaborative Chats das Email abgelöst werden soll. Dabei zeigen Forschungserkenntnisse, dass die Digitalisierung der Arbeitswelt nicht nur zu Innovationspotenzialen führt, wie Deutsche Führungskräfte in der Bitkom-Studie zu Protokoll gaben. Sondern, dass vernetzt zu arbeiten „Technostress“ hervorruft. Das ist eine moderne Krankheit, welche durch das Unvermögen mit neuen Technologien umzugehen hervorgeht.

„Vernetzt zu arbeiten ohne geeignete Kultur und Führungsstil führt zu Erschöpfung und korrosiver Organisationsenergie“
Heike Bruch – Universität St. Gallen

Kultur- und Wertewandel im 21. Jahrhundert

Im virtuellen, vernetzten Unternehmen wird mobil und flexibel im Sinne des Unternehmenszweck gearbeitet. Wo jeder Kollege oder jedes Teammitglied (Auf den Ausdruck „Arbeitskraft“ wird dabei bewusst verzichtet) voll im Bilde ist, souverän mit seiner Zeit umgehen kann, alle Mitglieder die gleichen Chancen haben, ihre Führungskräfte selber wählen, auf die strategische Geschäftsentwicklung Einfluss nehmen und an der Wertschöpfung direkt beteiligt sind.
Wie der Unternehmenszweck und die Organisationskultur zur Grundvoraussetzung –  Wertediskussionen zum treibenden Faktor von demokratischen oder horizontal geführten Unternehmen werden, beschreibt Frederic Laloux in seinem wegweisenden Buch „Re-Inventing Organizations“. Mit vielen Praxisbeispielen von Pionieerunternehmen, wie die Evolution vom „Management von Ressourcen“ hin zum „Gestalten des sozialen Betriebssystem“ gelingt (Siehe Grafik von Michael Sahota).

vernetzte Unternehmen

Management: Der Uber-Moment in der Organisation

Mit dem Einzug des digitalen Arbeitsplatz, kollaborativen Technologien und demokratischen Organisationsstrukturen, steht die Organisation heute dort, wo die Taxiunternehmen vor dem Uber Markteintritt standen. Herrman Arnold, VRP der demokratisch geführten HR-Softwareschmiede Haufe-Umantis sagt voraus, dass das soziale Betriebssysteme die Intermediäre – a.k.a Middle Management – ersetzen wird. Einen Schritt weiter gehen die Forscher vom MIT mit dem Beweis, dass Alogarithmen die besseren Führungskräfte sind. In einem Versuch (Siehe Video) wurde nachgewiesen, dass Führung durch Roboter die Teammitglieder effizienter, verstandener und glücklicher machte.

Leadership: Natürlich und Transformational

Das Paradoxe an der Entwicklung: Je flacher, horizontaler, demokratischer und transparenter Organisationen werden, desto mehr „natürliche Anführer“ entwickeln sich von selbst. In anderen Worten: Auch in der schönen humanen neuen Arbeitswelt der vernetzten Unternehmen werden Leader benötigt, die aber nicht durch Macht agieren, sondern durch solche mit transformationalen Führungsfähigkeiten, indem sie als Vorbild handeln, inspirieren, motivieren, geistige Anregung bieten und Kollegen individuelle Beachtung schenken. Die organisatorische Zukunft heist Netzwerke, Communities of Practice, virtuelle Arbeitsgruppen und Co-Working Spaces: Diese Formen kollektiver Wertschöpfung pfeifen auf klassische Organisationsstrukturen und Hierarchieverständnisse (Siehe interaktive Grafik von Martin J. Eppler).

vernetzte Unternehmen

Wettbewerbsvorteil: Innovation in der OE

Mit diesen Entwicklungen und den schnell herannahenden Technologiesprüngen hin zum Internet of Things, AI/Robotik, 3D-Printing sowie MedTech müssen Organisationen und die Volkswirtschaft auf neue Kompetenzen vorbereitet werden. Für Thomas Sattelberger, Vorsitzender der HR Alliance sind Innovationen in der Art und Weise, wie in Europas Unternehmen zusammen gearbeitet wird überlebensrelevant. Europas Wirtschaft sei disruptiv bedroht und im Sandwich zwischen Chinas „Maschinenhaus“ und dem „Digital House“ USA (Siehe Grafik).

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vernetzte Unternehmen

Die heutige Organisationsentwicklung werde über die Zukunft Europas im globalen Systemwettbewerb entscheiden. Mit diesem Appel sind HR-Verantwortliche zurück in der Plicht, ihre Führungsrolle in der Mitgestaltung der digitalen Transformation hin zum vernetzten Unternehmen wahrzunehmen. Und die Politik sich nach dem „Streit um die Arbeitszeitsouverenität“ einer Standortfördernden Gestaltung der Rahmenbedingungen für vernetzte Unternehmen und der „Collaborative Economy“ zuzuwenden.

„Einige der wichtigsten Innovationen entstehen nicht durch neue Technologien, sondern durch andere Arten zusammenzuarbeiten und Arbeit zu Organisieren.“
Tom Malone – MIT

Wer mit dem Gedanken spielt, sein Intranet auf Social zu trimmen oder seine Organisation zum vernetzten Unternehmen hinzuführen, empfehlen wir die Konzepte, Tipps und Tricks der Experten von Kuhn, Kammann & Kuhn:

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